Meine Liebe und ich.

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Was ist mit meiner Liebe los? Manchmal glaube ich wirklich, dass sie ein Eigenleben führt oder gar nicht für meinen Geist bestimmt war und nur zufällig zu mir gekommen ist.

Meine Liebe ist heute hier und morgen dort. Sie tobt sich ständig an anderen Dingen aus. Und wenn sie sich mal auf einem Menschen niederlässt, dann frage ich mich so oft: ‚Wieso? Wieso nur will sie ausgerechnet hier bleiben?‘

Gerade verweilt sie schon für einige Zeit auf jemandem, was irgendwo wirklich schön, aber manchmal auch ebenso schwer ist. Die Liebe hat sich einen Menschen ausgesucht, der anders ist als ich, der oft so anders tickt, der mich und die Liebe wahnsinnig macht – vor Wut, vor Glück, vor Lachen, vor Weinen.

Manchmal ist mir so schwindelig von diesem ganzen hin und her. Manchmal frag ich mich, ob ich alles falsch mache, ob ich jemals was richtig gemacht habe. Die Liebe fragt sich gar nichts. Sie sitzt auf dem geliebten Menschen und lacht mich an. Oder lacht sie mich aus?

Sie könnte mich dafür auslachen, dass ich mich jeden Tag frage, ob ich überhaupt zurück geliebt werde und wenn ich mir dann doch mal sicher bin, dann könnte sie mich dafür auslachen, dass ich dann Angst davor bekomme, alles gleite mir aus den Fingern, wie feiner, warmer Sand. Ich weiß, dass ich ohne Liebe aufgeschmissen bin. Ohne sie bin ich ganz leer, aber mit ihr bin ich oftmals so voller Zweifel und Ängsten, dass mir ständig das Herz klopft und ich jeden Moment darauf warte, dass sie mir wieder entzogen wird.

Mein Herz nervt. Mein Kopf nervt und die Liebe sowieso. Wer hat sich das mit dem Lieben nur ausgedacht?

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Wenn die Seelen nicht mehr verwandt sind.

„Kannst du deine Freunde mal fragen, ob sie mit uns auf Tour gehen wollen?“

Seit Monaten hatte ich nichts mehr von dir gehört. Das war dein erstes Lebenszeichen. Früher warst du mein bester Freund, mein Seelenverwandter. Mit dir habe ich geträumt, habe ich gelacht und geweint. Ich war mir so sicher, ich würde dich mal heiraten, weil das was ich damals gefühlt habe, an nichts heran kam, was ich je zuvor gefühlt hatte. Wir konnten kommunizieren, ohne zu reden. Wenn wir uns lange nicht gesehen haben und uns wieder trafen, war alles so, als wären wir nie auseinander gegangen. Gestritten haben wir uns nie. Wir waren immer ehrlich und haben uns nackt voreinander gemacht. Und dann veränderte sich alles. Es kam nicht von heute auf morgen. Es war ein schleichender Prozess. Wenn ich dir heute in die Augen sehe, weiß ich nicht mehr, was du mir sagen willst, wenn du mir überhaupt noch was zu sagen hast.

Ich habe mich mit deinen Partnerinnen immer gut verstanden. Klar, du hast Geschmack. Manchmal war es gar nicht mal so gut, dass ich mich so gut mit ihnen verstand, denn nach der Trennung suchten sie oft Trost bei mir und ich stand zwischen den Stühlen. Doch eines Tages kamst du zu mir, ganz aufgelöst. Du wüsstest nicht, was du tun solltest. Deine neue Freundin hätte dir verboten, dass wir weiterhin ab und an beieinander schliefen nach durchzechten Nächten. Außerdem war es ihr ein Dorn im Auge, dass wir so viel Zeit miteinander verbringen würden. Doch nicht nur ich war der Feind, sondern auch deine Band, der du so viel Zeit widmetest. Die Musik sei dir wichtiger, hätte sie gesagt. Ich nahm dich in den Arm und tröstet dich. Diese junge Frau hatte dir damit sehr weh getan, aber ich wusste du liebst sie, also verabredeten wir, wie wir in Zukunft miteinander umgehen sollten. Ich hätte damals aufschreien und mich wehren sollen. Ich hätte dir klar machen müssen, dass das der Anfang vom Ende unserer Freundschaft und deiner Selbstbestimmtheit war, aber ich tat nichts.

Die Jahre zogen ins Land und ihr tatet euch mehr weh als gut, aber ihr habt euch sehr geliebt und ihr tut dies auch immer noch. Unser Kontakt wurde immer sporadischer, unsere Gespräche gehaltloser. Am Anfang dieser Entwicklung war ich gekränkt und enttäuscht. Ich suchte klärende Gespräche und du versprachst mir, dir wieder mehr Zeit für mich zu nehmen. Nichts geschah. In der ersten Zeit gab ich ihr die Schuld für alles. Wie konnte man nur so ein Kontrollfreak sein. Irgendwann verstand ich, dass du selbst dran Schuld bist, wenn du dir das weiter gibst.

Auf jeden Fall hattest du keine tröstenden Worte mehr für mich, wenn es mir schlecht ging. Da kamen nur leere Versprechen, wann wir mal wieder was unternehmen würden. Auch vertrautest du mir deine Geheimnisse nicht mehr an. Irgendwann fing ich an, dir nicht mehr zu glauben oder zu vertrauen. So wurdest du mir egal. Als wir vor zwei Monaten ein Treffen ausmachten und du dich erst einen Tag nach unserer Verabredung nur mit einem „Ups“ gemeldet hast, hat es nicht weh getan. Ich dachte dann nur, dass ich nichts anderes erwartet hatte. Schlimm, oder?

Es tut mir fast leid, dass ich so denke, aber von dir habe ich nichts mehr zu erwarten. Ich will dir nur raten, deine Freundin nie zu verlassen, da du sonst wohl recht allein da stehen würdest. Unsere ist ja nicht die einzige Freundschaft, die du mit diesem Verhalten verändert hast. Ich kann viel ab. Ich weiß, dass ich es bei Freunden oft masochistisch lange aushalte, das Band nicht zu durchtrennen, aber du hast das Kontingent an Geduld und Loyalität dir gegenüber auf jeden Fall aufgebraucht.

Das unbewohnte Haus.

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An manchen Tagen wirkt das Leben wie ein altes, unbewohntes Haus, das jeden Moment zusammen brechen möchte. Es knarrt an allen Ecken und Enden. Der Putz rieselt von der Decke. Aber statt eines großen Knalls und einer Abrissparade mit Pauken und Trompeten, steht es einfach weiter so da, windschief und uninspiriert.

Gerade möchte ich einfach nur weglaufen, auch wenn ich weiß, dass mir weglaufen noch nie was gebracht hat. Ich merke, dass ich in meinem Leben und mit mir selbst an einem Punkt angekommen bin, an dem ich schon mal war. Ein Punkt, an dem ich nicht weiter kommen und alles nur immer schlimmer zu werden scheint.

Ich fühle mich wie 14. Fehlende Selbstakzeptanz, das harte ins-Gericht-gehen mit mir selbst, die Zweifel an allem, was in meinem Leben ist, das Bett, das ich, wenn ich Zuhause bin, nie verlasse. Woher kommt das jetzt? Es war doch alles weg. Ich hatte die Dämonen doch mühsam und mit jahrelanger Selbstdisziplin vertrieben.

Gerade wächst mir alles über den Kopf: Die Uni, die mich Tag und Nacht auf Trapp hält; die Freunde, die alle nicht hier sind; die Beziehung, die man um biegen und brechen bloß nicht versauen will; die Leute um einen herum, die Ansprüche stellen; das Geld, das nicht ausreicht… Nebenbei erwartet man von sich, fit, gesund und glücklich zu sein und den Menschen in seiner Umgebung eine gute Freundin, Partnerin, Tochter oder was auch immer präsentieren zu können.

Ich kann grad nicht mehr, aber was tun? Wie da raus kommen?

Ich bin kraftlos. Ich habe keine Lust mehr auf die Kämpfe mit mir selbst. Ich habe keine Lust mehr, mich damit auseinander zu setzen, was mein Kopf mal wieder verzapft. Gerade will ich nur schlafen in dieser hässlichen Drecksbude namens Leben.

Verdammte Scheiße -oder- Wie ich schon wieder einem Paar schöner Augen verfallen bin.

„Hey Sonnenschein, wie geht es dir?“

Nette Nachricht, wegen der ich heute früh erstmal ein paar Tränen verdrückt hab. Die Nachricht war nicht von ihm. Sie war von einem anderen. Ein anderer, der so viel Liebe für mich hat. Ich habe keine für ihn. Nicht einen Funken. Eine Nachricht, die mich wieder daran erinnert hat, dass mein Herz schon wieder knietief in der Scheiße steckt (Ja, mein Herz hat Knie). Ich habe einen Haufen verwirrender Gefühle für einen Mann, der mich grad völlig blockiert und daran hindert, mich mal in jemanden zu vergucken, der mich auch sieht.

ICH WILL NICHT. Ich will nicht schon wieder auf einen Mann stehen, der mich nicht will. Es ist genau die selbe Leier wie mit dem Mann mit den schönsten braunen Augen der Welt. Selber Typ Mann, der Probleme mit sich und der Welt hat und genauso weit weg davon ist, mit mir was anzufangen. Das typische Spiel: Anziehen – Abstoßen und wieder von vorn. Auf und ab, bis es irgendwann nicht mehr geht oder die Sache sich verläuft. Ich verrenne mich immer in sowas. Ich beiße mir die Zähne an diesen Männern aus. Ich zermartere mir das Hirn und das Herz. Am Ende bin ich wieder ein kleines bisschen mehr kaputt.

Was stimmt nicht mit mir? Manchmal glaube ich, dass ich Angst vor dem Glück habe. Warum sonst sehne ich mich immer nach diesen traurigen Männern? Können meine Gefühle nicht mal an jemanden adressiert sein, der das Leben liebt, der nicht völlig zerstört ist? Können meine Gefühle nicht mal an jemanden adressiert sein, der diese auch schätzt und erwidert?

Ich könnte kotzen!

 

 

Das Prokrastinations-Verliebtsein.

Wenn ich irgendwann an der Uni mal was unterrichten sollte, dann wäre es der Fortgeschrittenen-Kurs in Prokrastination. Wie machen das die anderen nur immer, die Hausarbeiten mal eben in einer Woche schreiben? Pro 10 Seiten kann ich eigentlich immer gleich einen Monat einrechnen.

Man hat auf einmal so viele Dinge im Kopf, die man lieber erledigen würde. Wäsche machen, putzen, Serien gucken, kochen, spazieren gehen, Freunde treffen.

Meine Lieblings-Ablenkung vom Arbeiten sind Männer. Wenns gut läuft, treffe ich mich mit ihnen auf ’nen Kaffee, küsse sie oder schlafe mit ihnen. Wenns schlecht läuft, suche ich mir einen besonders schönen heraus und rede mir ein, ich sei in ihn verliebt. Oh, wie viele Stunden man damit verbringen kann, unsterblich in jemanden verliebt zu sein. Es füllen sich ganze Tagebücher mit schmachtenden Texten und Stunden streichen an einem vorbei, in denen man nur vorm Smartphone sitzt und auf eine Antwort des Angebeteten wartet. Wichtig hierbei ist, dass das Objekt der Begierde möglichst unerreichbar ist, sonst verbraucht man am Ende noch zu wenig sinnlose Energie bei dem ganzen Prozess und es bliebe eventuell noch Zeit und Kraft zum Weiterarbeiten übrig.

Das ist so lächerlich. Was geht da in meinem Kopf vor? Nicht, dass ich mich nicht auch sonst in sinnlosen Gefühlskonstrukten verliere, aber während der Arbeit an wissenschaftlichen Texten ist diese Eigenschaft besonders ausgeprägt. Ohje.

 

Offenes Messer.

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Ich sehe das Messer. Ich weiß, dass es weh tut, wenn man sich damit verletzt. Ich stürze mich hinein. So ungefähr läuft das mit mir und der Liebe.

Ich kenne ihn nicht lange. Er ist wunderschön. Er macht sich über Dinge Gedanken, über die ich mir auch Gedanken mache. Wir können zusammen gut schwermütig und auch aufgedreht sein. Ich genieße es so sehr, mit ihm Zeit zu verbringen. Es gibt genug Gründe, warum ich für ihn schwärme, aber es gibt auch genug, das lieber nicht zu tun.

Er hatte oder hat…ich weiß es nicht…einen großen „Verschleiß“ an Frauen. Er hat Probleme mit Bindungen. Er ist nicht gut darin, anderen zu sagen, wie er sie findet… Zu allem Übel wohnt er nicht in meiner Stadt. Die Liste ist lang. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich irgendwo in seinem Leben halten kann, läuft gegen Null. Und ich weiß das alles und ich weiß, dass ich das nicht will und dass ich mit dieser Art Mann eigentlich schon lange abgeschlossen hab und doch scheint es gerade das Verlockendste der Welt zu sein, in diese Klinge zu rennen.

Ich habe vor einer Weile einen hübschen, netten, bodenständigen Mann kennen gelernt. Der würde mir die Welt zu Füßen legen. Er ist immer sehr lieb zu mir. Ich will ihn nicht. Ich will den, den ich nicht haben kann. Ich will den, der mir wehtun wird. Ich will gequält werden, statt glücklich zu sein bis ans Ende meiner Tage.

Es passiert mir immer und immer wieder.

Das Verrückteste an der Sache ist, dass diese Männer, die ich liebe, die sind, die mich nicht haben wollen, weil sie keinen Menschen brauchen, der sie will und ihnen das auch zeigt. Diese Männer brauchen meist jemanden, der tickt wie sie. Eine unnahbare Frau, die sie auf Abstand hält.

So bin ich nicht. Wenn ich liebe, dann liebe ich. Ich spiele keine Spiele. Das ist mein Verhängnis.

Bild: JBrazito

Der Mann im Anzug.

Betrunken lehne ich an der Wand. Eben im Bad fiel mir auf, dass meine Lippen blau vom Rotwein sind. Ich fahre mit dem Finger darüber, in der Hoffnung, ich würde dadurch die Farbe los.

Und dann steht er vor mir. Grauer Anzug, weißes Hemd, dunkelrote Fliege, verwuscheltes Haar, ganz schön fertig im Gesicht, aber lächelnd.

Er: „Was machst du hier?“

Ich: „Ich weiß nicht. Vielleicht die Wand anstarren?“

Er: „Darf ich dir dabei Gesellschaft leisten?“

Ich nicke und sehe ihm in die Augen. Braune Augen.

Wir reden über vieles hier an der Wand. Wir reden über die Liebe und wie fies sie sein kann. Wir reden über Selbstbestimmtheit und Selbstbewusstsein. Er zitiert Hesse. Was für eine ausgekochte Masche, aber sie funktioniert. Er umarmt mich und küsst meine Stirn.

Stunden vergehen. Ich merke es gar nicht. Alle anderen schlafen bereits. Wir nicht. Wir legen uns auf eine Decke in eins der Zimmer. Er drückt mich an seinen warmen Körper und endlich finden unsere Lippen zueinander.

Erst zart und zaghaft, dann fordernder.

In den kommenden Stunden fordern wir viel voneinander, aber nicht das, wonach wir verlangen. Zu groß die Angst erwischt zu werden.

Als es hell wird, muss ich gehen.

Heute wirkst du auf mich wie ein Traum. Viel zu schön, um wahr zu sein. Viel zu wahr, um ihn wieder aus dem Kopf zu bekommen.