Erinnerung: Urige Natur.

Mit den Kleinbussen sind wir auf diesen Hof gefahren. Ich habe mich dort von Anfang an wohl gefühlt. Alles war so sehr naturbelassen, es gab eine Outdoor-Küche mit direktem Blick auf den See. Alles war nachhaltig gebaut und gepflegt. Es gab Ruderboote und eine Sauna – und ich war mit euch da – mit der Crew. Eigentlich hätten wir auch an den hässlichsten Ort der Welt fahren können, weil mit euch alles besonders ist. Ich könnte so viele Geschichten von euch erzählen, aber diese fiel mir gerade ein, weil ich draußen einen Vogel singen hören habe, den ich noch nie gehört habe. Ich musste sofort daran denken, wie wir im Dunkeln alle auf dem Steg im See standen und diesen verrückten und extrem lauten Vogelrufen zuhörten. Wir haben da so lange gestanden und nur gelauscht und geraucht und erzählt. Das war nicht der erste Moment, in dem ich gemerkt habe, dass wir zusammen gehören, aber es war einer, der mir in dem Moment irgendwie viel bedeutet hat.

Nach und nach seid ihr dann ins Bett gegangen und ich wollte auch gehen, aber er blieb zurück. Mir war irgendwie klar, dass er wollte, dass ich auch bleibe, aber es war trotzdem eine Überwindung, mit ihm jetzt hier zu bleiben. Das mit uns war alles so extrem frisch. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt was von uns und alles war so aufregend.

Ich bin wieder zurück gegangen. Wir standen erst verlegen da und zeigten uns Sterne und Lichter im Wald. Irgendwann hast du mich in den Arm genommen. Es war auch echt noch relativ kalt draußen. Ich hab meinen Kopf an deine Brust gelegt und du hast ihn sanft gestreichelt. Dann bewegten sich langsam unsere Gesichter zueinander und wir küssten uns. Es fühlt sich im Nachhinein an, als wären es Stunden gewesen. Ich weiß noch so genau, wie sich das anfühlte und wie es in meinem Bauch kribbelte. Den ganzen Tag hatten wir zusammen verbracht mit der ganzen Gruppe und unseren Freunden und niemand hätte Verdacht schöpfen können, dass da was lief. Den ganzen Tag hatte ich dich nur verstohlen angesehen. Vor allem in der Sauna sind bei mir die Sicherungen durchgebrannt. Sauna mitten im Nirgendwo mit einem Haufen Menschen und du fast nackt mitten drin, aber unerreichbar.

Und dann dieser Kuss. Der war fast wie eine Erlösung. Endlich bei dir sein. Endlich deine Nähe wieder. Wir schliefen später alle in einem großen Zelt, fast unter freiem Himmel, mit einem Feuer in der Mitte. Ich war die ganze Nacht dicht bei dir, so wie ich noch so viele Nächte bei dir sein konnte, aber diese Nacht war besonders, weil ich das erste Mal mit euch allen in einem Raum geschlafen habe und das haben wir auch noch so oft gemacht und ich habe es immer als die ultimative Geborgenheit empfunden, trotz des Schnarchens. Das war besonders mit uns. Das werde ich nie vergessen.

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Ich wollte mir alles merken.

Ich wollte mir doch alles merken. Ich habe dich angesehen und wollte mir alles merken – jede Pore, jeden Leberfleck, jedes Barthaar. Ich habe so viel schon vergessen und es macht mich wahnsinnig. Ich hab das alles vergessen. Ich erinnere mich nur an deine rauen Hände mit den harten Fingerkuppen vom Gitarre spielen, an dein volles braunes Haar, an deine Sonnenblumenaugen, an deine Nase und wie sie im Profil in ihren Bogen nimmt. Ich sehe deinen Mund, deine sinnlichen Lippen, dein kleines, spitzes Kinn und deine kleinen Ohren. Ich erinnere mich an deinen langen schönen Hals, der sich sehr gut küssen lässt, deine schmalen spitzen Schultern, die schlanken, langen Arme, die kleinen Falten, die deine Achsel schlägt, deine roten Achselhaare, dein warmer weicher magerer Oberkörper an dem ich gerne mein Leben lang eingeschlafen wäre, der flache Bauch, dein schöner kleiner Po, dein schönes Gemächt, deine langen, starken Beine mit meinem kleinen Lieblings-Tattoo. Ich erinnere mich an deine schmalen Waden, die langen Füße und die schönen Zehen. Du bist so wunderbar. Du bist Zuhause. Ich wollte mir doch alles merken. Ich wollte mir doch alles an dir merken, um es nie wieder zu vergessen.

Als ich das erste Mal mit dir ganz allein gesprochen hab, war ich so aufgeregt. Wir hatten schon so oft miteinander gesprochen, wenn die anderen dabei waren und das war nie aufregend, aber in dieser Situation draußen im Schnee bei Minus 10 Grad wars anders. Ich wollte schnell ins Bett, weil ich nichts unüberlegtes machen wollte. Ich weiß gar nicht, ob es schon der nächste Abend war, an dem dann doch etwas passierte zwischen uns. Der erste Kuss in deinem Haus, auf dem roten Sofa neben unserer schlafenden Freundin und es lief der Abspann einer Nordkorea-Doku…wie romantisch. Wir gingen dann in dein Zimmer und es war alles ganz seltsam, alles ganz vertraut, aber alles auch ganz neu. Sex war auf jeden Fall das, in dem wir extrem gut waren. Sex bei dir, Sex bei mir, in deinem Bad, in meinem Bad, im Auto, im Klo im Club, in der Dusche im Hostel, am Lagerfeuer am See, am Lagerfeuer in der Hütte im Sumpf, im Gästezimmer und das eigentlich immer, wenn es die Zeit zugelassen hat. Und wenn wir nicht miteinander geschlafen haben, haben wir geraucht und viel erzählt. So viele Geschichten aus deinem Leben. So viele Geschichten aus meinem Leben. Wir haben so viel gelacht oder uns einfach nur schweigend angesehen. Wir haben uns viel gerauft und dumme Dinge mit unseren Körpern getan. Wir haben versucht, verknotet ineinander einen Weg zu finden, den Korridor entlang zu robben…wie bescheuert ich mit dir sein konnte. Wir haben uns immer im Auge behalten, wenn wir mit anderen unterwegs waren. Ich hatte immer sehr viel Freiraum, und du hattest deinen, aber wir haben immer aufeinander aufgepasst.

Ich liebe deinen Geruch, ich liebe deine Liebe, ich liebe deinen Sanftmut, ich liebe deinen Humor, ich liebe, dass du keine Versprechen machst, Ich liebe deinen Wagemut…oh man dein Wagemut…der hätte mich manchmal umgebracht – wenn du mal wieder auf einer Klippe herumgeklettert bist oder in einem riesigen Baum in der Baumkrone die Beine baumeln ließest. Du bist so ein gutmütiger Mensch mit so einem wachen Verstand, mit so einem klaren Kopf und so einem starken Willen. Ich habe noch nie jemanden wie dich vorher getroffen und nun habe ich jemanden wie dich verloren.

Ich weiß, ich habe dich nicht verloren. Du wirst mich nicht vergessen und, ach, wie könnte ich dich jemals vergessen. Wenn wir uns sehen, dann wird das auf jeden Fall ein besonderer und sicher schöner Moment, aber nichts wird mehr so sein, wie es mal war. Deine Nähe wird früher oder später eine andere sehr glückliche Frau genießen dürfen und ich wünsche dir nur die beste Frau der Welt, weil du nichts anderes verdient hast.

Ich weiß, dass das alles klingt, als sei ich geistesgestört. Wie kann man einen Menschen so in den Himmel heben? Ich kann es mir nur mit Liebe erklären. Ich rede viel von Liebe und ich habe sie auch schon erlebt vorher, aber das ist länger her als ich mir eingestehen wollte. Ich war oft emotional abhängig und sicher auch verliebt. Da waren Männer, bei denen dachte ich, ich liebe sie, aber das kann gar nicht so gewesen sein, weil das, was ich jetzt gefühlt habe das größte war, was ich in meinem Herzen seit langer Zeit gefühlt habe und mit viel Schmerz immer noch fühle.

Deine Worte hallen in meinem Kopf nach. Wie du meinen Kopf hältst am Flughafen, wie du weinst und mir die Tränen aus dem Gesicht wischt und wie du sagst, dass ich dich nicht davon abhalten kann, dass wir uns wieder sehen. Ich halte deine Hand und im nächsten Moment ist sie verschwunden. Ich sehe dir nach, bis du aus der Tür und aus meinem Leben trittst. Das habe ich mir gemerkt. Jede Sekunde dieses Abschiedes. Jeden Schritt, der uns trennte.

Wo das Glück zu finden ist.

Wie oft ich nachts in meinem Bett lag und darüber nachgedacht habe, wie schwer es ist, eine Liebe zu finden, die unkompliziert ist. Es hat mich zum Weinen gebracht, weil ich es für eine Unmöglichkeit hielt. Liebe ist doch immer nur Kompromiss, war noch nie was anderes. Ich dachte immer, ich bin zu alt, ich bin zu verletzt, ich bin nicht geschaffen dafür, die Welt ist zu schlecht und die Menschen sowieso.

Und auf einmal ist sie da, die Liebe – ohne, dass ich nach ihr gefragt hätte, ohne, dass ich sie hier gesucht hätte. Ich bin weit entfernt von der Realität und von Zuhause und hier ist sie einfach auf mich eingeschlagen. Vielleicht kann ich gar nicht sagen, dass sie eingeschlagen ist, denn sie war ganz leise, aber nicht weniger intensiv als eine große Explosion. Sie ist einfach in meine Unbeschwertheit und Selbstzufriedenheit mit eingeflossen, erst aus meinem Herzen  heraus und dann auch aus einem anderen. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das zum letzten Mal gefühlt habe, obwohl ich doch die eine oder andere Beziehung zwischendurch hatte.

Ich bin glücklich. Ich bin richtig richtig glücklich und das schon seit Monaten. Es will gar nicht enden und ich habe das Gefühl, mich gar nicht mehr zu kennen, weil die Melancholie nicht mehr im hier und jetzt steckt. Sie steckt nun viel mehr in dem Gedanken, dass das alles bald zu Ende sein wird.

Liebe ich, weil es bald zu Ende geht? Liebe ich so intensiv, weil die Grenzen, mit denen das alles hier abgesteckt ist, viel einfacher machen. Können wir nur so kompromisslos sein, weil wir wissen, dass wir keine Kompromisse brauchen? Ich weiß es nicht…aber das spielt doch auch eigentlich gar keine Rolle.

Ich bin unendlich dankbar für das, was ich fühle. Ich bin so dankbar, das alles erleben zu dürfen und ich bin dankbar, diesen Menschen getroffen zu haben, der so selbstbestimmt ist, der die Welt mit so offenen Augen betrachtet, die Dinge nimmt, wie sie sind und sich nicht an ihnen aufreibt. Er hat mich für eine kurze Weile in meinem Leben fühlen lassen, was bedingungsloses Glück bedeutet. Das ist ein Geschenk, das ich in mir tragen möchte, um mich selbst immer wieder daran erinnern zu können, dass das Leben nicht eine Aneinanderreihung von negativen Gefühlen ist. Ich bin ja schließlich fähig, die Dinge einfach anders zu bewerten.

Es liegen alle Werkzeuge für ein glücklicheres Leben in mir, denn nicht er hat das Glück für mich gefunden. Das war ich ganz allein.

 

Wenn die Seelen nicht mehr verwandt sind.

„Kannst du deine Freunde mal fragen, ob sie mit uns auf Tour gehen wollen?“

Seit Monaten hatte ich nichts mehr von dir gehört. Das war dein erstes Lebenszeichen. Früher warst du mein bester Freund, mein Seelenverwandter. Mit dir habe ich geträumt, habe ich gelacht und geweint. Ich war mir so sicher, ich würde dich mal heiraten, weil das was ich damals gefühlt habe, an nichts heran kam, was ich je zuvor gefühlt hatte. Wir konnten kommunizieren, ohne zu reden. Wenn wir uns lange nicht gesehen haben und uns wieder trafen, war alles so, als wären wir nie auseinander gegangen. Gestritten haben wir uns nie. Wir waren immer ehrlich und haben uns nackt voreinander gemacht. Und dann veränderte sich alles. Es kam nicht von heute auf morgen. Es war ein schleichender Prozess. Wenn ich dir heute in die Augen sehe, weiß ich nicht mehr, was du mir sagen willst, wenn du mir überhaupt noch was zu sagen hast.

Ich habe mich mit deinen Partnerinnen immer gut verstanden. Klar, du hast Geschmack. Manchmal war es gar nicht mal so gut, dass ich mich so gut mit ihnen verstand, denn nach der Trennung suchten sie oft Trost bei mir und ich stand zwischen den Stühlen. Doch eines Tages kamst du zu mir, ganz aufgelöst. Du wüsstest nicht, was du tun solltest. Deine neue Freundin hätte dir verboten, dass wir weiterhin ab und an beieinander schliefen nach durchzechten Nächten. Außerdem war es ihr ein Dorn im Auge, dass wir so viel Zeit miteinander verbringen würden. Doch nicht nur ich war der Feind, sondern auch deine Band, der du so viel Zeit widmetest. Die Musik sei dir wichtiger, hätte sie gesagt. Ich nahm dich in den Arm und tröstet dich. Diese junge Frau hatte dir damit sehr weh getan, aber ich wusste du liebst sie, also verabredeten wir, wie wir in Zukunft miteinander umgehen sollten. Ich hätte damals aufschreien und mich wehren sollen. Ich hätte dir klar machen müssen, dass das der Anfang vom Ende unserer Freundschaft und deiner Selbstbestimmtheit war, aber ich tat nichts.

Die Jahre zogen ins Land und ihr tatet euch mehr weh als gut, aber ihr habt euch sehr geliebt und ihr tut dies auch immer noch. Unser Kontakt wurde immer sporadischer, unsere Gespräche gehaltloser. Am Anfang dieser Entwicklung war ich gekränkt und enttäuscht. Ich suchte klärende Gespräche und du versprachst mir, dir wieder mehr Zeit für mich zu nehmen. Nichts geschah. In der ersten Zeit gab ich ihr die Schuld für alles. Wie konnte man nur so ein Kontrollfreak sein. Irgendwann verstand ich, dass du selbst dran Schuld bist, wenn du dir das weiter gibst.

Auf jeden Fall hattest du keine tröstenden Worte mehr für mich, wenn es mir schlecht ging. Da kamen nur leere Versprechen, wann wir mal wieder was unternehmen würden. Auch vertrautest du mir deine Geheimnisse nicht mehr an. Irgendwann fing ich an, dir nicht mehr zu glauben oder zu vertrauen. So wurdest du mir egal. Als wir vor zwei Monaten ein Treffen ausmachten und du dich erst einen Tag nach unserer Verabredung nur mit einem „Ups“ gemeldet hast, hat es nicht weh getan. Ich dachte dann nur, dass ich nichts anderes erwartet hatte. Schlimm, oder?

Es tut mir fast leid, dass ich so denke, aber von dir habe ich nichts mehr zu erwarten. Ich will dir nur raten, deine Freundin nie zu verlassen, da du sonst wohl recht allein da stehen würdest. Unsere ist ja nicht die einzige Freundschaft, die du mit diesem Verhalten verändert hast. Ich kann viel ab. Ich weiß, dass ich es bei Freunden oft masochistisch lange aushalte, das Band nicht zu durchtrennen, aber du hast das Kontingent an Geduld und Loyalität dir gegenüber auf jeden Fall aufgebraucht.

Das unbewohnte Haus.

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An manchen Tagen wirkt das Leben wie ein altes, unbewohntes Haus, das jeden Moment zusammen brechen möchte. Es knarrt an allen Ecken und Enden. Der Putz rieselt von der Decke. Aber statt eines großen Knalls und einer Abrissparade mit Pauken und Trompeten, steht es einfach weiter so da, windschief und uninspiriert.

Gerade möchte ich einfach nur weglaufen, auch wenn ich weiß, dass mir weglaufen noch nie was gebracht hat. Ich merke, dass ich in meinem Leben und mit mir selbst an einem Punkt angekommen bin, an dem ich schon mal war. Ein Punkt, an dem ich nicht weiter kommen und alles nur immer schlimmer zu werden scheint.

Ich fühle mich wie 14. Fehlende Selbstakzeptanz, das harte ins-Gericht-gehen mit mir selbst, die Zweifel an allem, was in meinem Leben ist, das Bett, das ich, wenn ich Zuhause bin, nie verlasse. Woher kommt das jetzt? Es war doch alles weg. Ich hatte die Dämonen doch mühsam und mit jahrelanger Selbstdisziplin vertrieben.

Gerade wächst mir alles über den Kopf: Die Uni, die mich Tag und Nacht auf Trapp hält; die Freunde, die alle nicht hier sind; die Beziehung, die man um biegen und brechen bloß nicht versauen will; die Leute um einen herum, die Ansprüche stellen; das Geld, das nicht ausreicht… Nebenbei erwartet man von sich, fit, gesund und glücklich zu sein und den Menschen in seiner Umgebung eine gute Freundin, Partnerin, Tochter oder was auch immer präsentieren zu können.

Ich kann grad nicht mehr, aber was tun? Wie da raus kommen?

Ich bin kraftlos. Ich habe keine Lust mehr auf die Kämpfe mit mir selbst. Ich habe keine Lust mehr, mich damit auseinander zu setzen, was mein Kopf mal wieder verzapft. Gerade will ich nur schlafen in dieser hässlichen Drecksbude namens Leben.

Verdammte Scheiße -oder- Wie ich schon wieder einem Paar schöner Augen verfallen bin.

„Hey Sonnenschein, wie geht es dir?“

Nette Nachricht, wegen der ich heute früh erstmal ein paar Tränen verdrückt hab. Die Nachricht war nicht von ihm. Sie war von einem anderen. Ein anderer, der so viel Liebe für mich hat. Ich habe keine für ihn. Nicht einen Funken. Eine Nachricht, die mich wieder daran erinnert hat, dass mein Herz schon wieder knietief in der Scheiße steckt (Ja, mein Herz hat Knie). Ich habe einen Haufen verwirrender Gefühle für einen Mann, der mich grad völlig blockiert und daran hindert, mich mal in jemanden zu vergucken, der mich auch sieht.

ICH WILL NICHT. Ich will nicht schon wieder auf einen Mann stehen, der mich nicht will. Es ist genau die selbe Leier wie mit dem Mann mit den schönsten braunen Augen der Welt. Selber Typ Mann, der Probleme mit sich und der Welt hat und genauso weit weg davon ist, mit mir was anzufangen. Das typische Spiel: Anziehen – Abstoßen und wieder von vorn. Auf und ab, bis es irgendwann nicht mehr geht oder die Sache sich verläuft. Ich verrenne mich immer in sowas. Ich beiße mir die Zähne an diesen Männern aus. Ich zermartere mir das Hirn und das Herz. Am Ende bin ich wieder ein kleines bisschen mehr kaputt.

Was stimmt nicht mit mir? Manchmal glaube ich, dass ich Angst vor dem Glück habe. Warum sonst sehne ich mich immer nach diesen traurigen Männern? Können meine Gefühle nicht mal an jemanden adressiert sein, der das Leben liebt, der nicht völlig zerstört ist? Können meine Gefühle nicht mal an jemanden adressiert sein, der diese auch schätzt und erwidert?

Ich könnte kotzen!

 

 

Das Prokrastinations-Verliebtsein.

Wenn ich irgendwann an der Uni mal was unterrichten sollte, dann wäre es der Fortgeschrittenen-Kurs in Prokrastination. Wie machen das die anderen nur immer, die Hausarbeiten mal eben in einer Woche schreiben? Pro 10 Seiten kann ich eigentlich immer gleich einen Monat einrechnen.

Man hat auf einmal so viele Dinge im Kopf, die man lieber erledigen würde. Wäsche machen, putzen, Serien gucken, kochen, spazieren gehen, Freunde treffen.

Meine Lieblings-Ablenkung vom Arbeiten sind Männer. Wenns gut läuft, treffe ich mich mit ihnen auf ’nen Kaffee, küsse sie oder schlafe mit ihnen. Wenns schlecht läuft, suche ich mir einen besonders schönen heraus und rede mir ein, ich sei in ihn verliebt. Oh, wie viele Stunden man damit verbringen kann, unsterblich in jemanden verliebt zu sein. Es füllen sich ganze Tagebücher mit schmachtenden Texten und Stunden streichen an einem vorbei, in denen man nur vorm Smartphone sitzt und auf eine Antwort des Angebeteten wartet. Wichtig hierbei ist, dass das Objekt der Begierde möglichst unerreichbar ist, sonst verbraucht man am Ende noch zu wenig sinnlose Energie bei dem ganzen Prozess und es bliebe eventuell noch Zeit und Kraft zum Weiterarbeiten übrig.

Das ist so lächerlich. Was geht da in meinem Kopf vor? Nicht, dass ich mich nicht auch sonst in sinnlosen Gefühlskonstrukten verliere, aber während der Arbeit an wissenschaftlichen Texten ist diese Eigenschaft besonders ausgeprägt. Ohje.